Inhalt
- Interessenvertretung im Wandel: Verbände zwischen Tradition und Transformation
- Interview: Werte, Wandel, Wirksamkeit – die Caritas und die Zukunft kirchlicher Interessenvertretung
- Lobbying von Zivilgesellschaft und NPOs: Weiterbildungsseminar in Berlin und Münster
- Stiftungsmanagement: Weiterbildungsseminar an der Uni Münster
- Berufsbegleitender Masterstudiengang Nonprofit-Management and Governance

Interessenvertretung im Wandel: Verbände zwischen Tradition und Transformation
Ralf Kleinfeld
Interessenverbände sind aus modernen Demokratien nicht wegzudenken. Sie bündeln die Anliegen ihrer Mitglieder – seien es Unternehmen, Berufsgruppen oder zivilgesellschaftliche Akteure – und tragen diese in den politischen und gesellschaftlichen Diskurs. Ihre zentrale Funktion besteht darin, zwischen den spezifischen Interessen ihrer Mitgliedschaft und den Entscheidungsträgern in Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit zu vermitteln. Dabei agieren sie als Informationslieferanten, Verhandlungspartner und Legitimationsinstanzen zugleich. Verbände stellen der Politik Expertise zur Verfügung, die für fundierte Entscheidungen unverzichtbar ist, und verleihen den Anliegen ihrer Mitglieder ein kollektives Gewicht, das Einzelne nie erreichen könnten.
Die doppelte Ausrichtung: Interessen bündeln und Positionen vertreten
Die Besonderheit von Interessenverbänden liegt in ihrer doppelten Ausrichtung. Nach innen müssen sie die oft heterogenen Interessen ihrer Mitglieder koordinieren und zu gemeinsamen Positionen verdichten. Dies erfordert Kompromissfähigkeit und die Kunst, einen tragfähigen Konsens herzustellen, ohne dabei zentrale Anliegen zu verwässern. Nach außen vertreten sie diese gebündelten Interessen gegenüber politischen Institutionen, anderen Verbänden und der Öffentlichkeit. Erfolgreiche Interessenvertretung basiert dabei nicht auf Konfrontation, sondern auf dem Aufbau langfristiger Beziehungen, Vertrauen und der Reputation als verlässlicher, sachkundiger Gesprächspartner.
Globalisierung, Digitalisierung und gesellschaftlicher Wandel
In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Rahmenbedingungen für Interessenverbände grundlegend gewandelt. Die Internationalisierung politischer Entscheidungsprozesse, insbesondere durch die Europäische Union, hat neue Handlungsebenen geschaffen und erfordert vernetzte Strategien über nationale Grenzen hinweg. Gleichzeitig hat die Digitalisierung die Kommunikationslandschaft revolutioniert. Transparenzforderungen sind gestiegen, mediale Aufmerksamkeitszyklen haben sich beschleunigt, und Social Media hat die Machtverhältnisse in der öffentlichen Meinungsbildung verschoben. Zivilgesellschaftliche Akteure und neue soziale Bewegungen konkurrieren zunehmend mit etablierten Verbänden um Einfluss und definieren Themen auf eine Weise, die klassische Interessenvertretung herausfordert. Zudem hat sich das Verständnis von Legitimität verändert: Verbände müssen nicht nur die Interessen ihrer Mitglieder wirksam vertreten, sondern auch ihre gesellschaftliche Verantwortung unter Beweis stellen und sich in komplexen Nachhaltigkeits- und Gerechtigkeitsdebatten positionieren.
Gestiegene Anforderungen an Führung und Kommunikation
Diese Entwicklungen stellen fundamental neue Anforderungen an Führungspersonal in Verbänden. Kommunikationskompetenz hat sich zu einer Schlüsselqualifikation entwickelt, die weit über traditionelle Pressearbeit hinausgeht. Führungskräfte müssen heute in der Lage sein, komplexe Sachverhalte für unterschiedliche Zielgruppen verständlich aufzubereiten, digitale Kommunikationskanäle strategisch zu nutzen und in Echtzeit auf öffentliche Debatten zu reagieren. Dabei gilt es, authentisch zu bleiben und gleichzeitig die professionellen Standards politischer Kommunikation zu erfüllen. Die Fähigkeit, überzeugende Narrative zu entwickeln, die sowohl sachlich fundiert als auch emotional anschlussfähig sind, entscheidet oft über Erfolg oder Misserfolg.
Verhandlung in komplexen politischen Mehrebenensystemen
Verhandlungsgeschick bleibt eine Kernkompetenz, hat sich aber in seinen Anforderungen gewandelt. Während früher häufig bilaterale Verhandlungen mit klar definierten Partnern im Vordergrund standen, müssen heute komplexe Mehrebenen-Verhandlungen orchestriert werden. Führungskräfte benötigen ein tiefes Verständnis für unterschiedliche Verhandlungskulturen – etwa zwischen nationaler und europäischer Ebene – und müssen in der Lage sein, auch unter Zeitdruck tragfähige Kompromisse zu erarbeiten. Dabei ist strategisches Denken gefragt: Welche Allianzen sind sinnvoll? Wann ist Kooperation geboten, wann Abgrenzung? Wie lassen sich kurzfristige Erfolge mit langfristigen Beziehungen in Einklang bringen?
Stakeholder-Management als strategischer Kernaufgabe
Das Management multipler Stakeholder-Beziehungen ist zur vielleicht größten Herausforderung geworden. Verbände operieren heute in hochkomplexen Netzwerken, in denen sie gleichzeitig mit politischen Entscheidungsträgern, anderen Verbänden, Medien, zivilgesellschaftlichen Organisationen, wissenschaftlichen Einrichtungen und einer kritischen Öffentlichkeit interagieren. Führungskräfte müssen die unterschiedlichen Logiken, Interessen und Kommunikationsstile dieser Akteure verstehen und darauf flexibel reagieren können. Dies erfordert analytische Fähigkeiten, um Stakeholder-Konstellationen zu kartieren, sowie die soziale Kompetenz, Brücken zwischen unterschiedlichen Welten zu bauen. Besonders anspruchsvoll ist dabei das Management von Zielkonflikten: Wie positioniert sich ein Verband, wenn Mitgliederinteressen, politische Durchsetzbarkeit und gesellschaftliche Erwartungen auseinanderlaufen?
Professionalisierung und die Entwicklung zur lernenden Organisation
Hinzu kommt eine zunehmende Professionalisierung des Verbandsmanagements insgesamt. Führungskräfte benötigen heute nicht nur politischen Sachverstand und thematische Expertise, sondern auch Kompetenzen in Organisationsentwicklung, Change Management und strategischer Planung. Sie müssen ihre Verbände als lernende Organisationen gestalten, die sich an veränderte Rahmenbedingungen anpassen können, ohne ihre Identität zu verlieren. Dabei gilt es, traditionelle Stärken wie Mitgliedernähe und thematische Tiefe mit neuen Anforderungen wie Agilität und Innovationsfähigkeit zu verbinden.
Verbände zwischen Tradition und Transformation
Die Zukunft der Interessenvertretung wird davon abhängen, ob Verbände diesen Spagat meistern. Sie müssen ihre klassischen Funktionen bewahren und gleichzeitig neue Rollen einnehmen – als Dialogplattformen, als Impulsgeber für gesellschaftliche Debatten und als Gestalter komplexer Transformationsprozesse. Dies erfordert Führungspersönlichkeiten, die Komplexität aushalten, in Netzwerken denken und unterschiedliche Perspektiven integrieren können, ohne dabei die Orientierung zu verlieren.
Prof. i.R. Dr. Ralf Kleinfeld (geb. 1952) ist Diplom-Sozialwissenschaftler und war nach seiner Tätigkeit an der FernUniversität Hagen zwischen 1997 und 2017 als Professor für Vergleichende Politikwissenschaft an der Universität Osnabrück tätig. Er war Mitgründer des AK Verbände in der DVPW und Mitherausgeber der Reihe „Bürgergesellschaft und Demokratie“ im VS-Verlag.
Werte, Wandel, Wirksamkeit - die Caritas und die Zukunft kirchlicher Interessenvertretung
Interview mit Ralf Nolte, Diözesan-Caritasdirektor im Erzbistum Paderborn
1. Wandel kirchlicher Interessenvertretung: Kirchliche Verbände wie die Caritas stehen im Umbruch. Wie erlebst du den Spagat zwischen kirchlicher Tradition und den Erwartungen einer zunehmend säkularen Gesellschaft?
Ralf Nolte: Wir als Caritas sind ein zivilgesellschaftlicher Akteur in der freien Wohlfahrtspflege – so wie die anderen großen Verbände auch: die AWO, die Diakonie, das DRK oder der Paritätische Wohlfahrtsverband. Die Rahmenbedingungen sind für alle gleich – gesetzlich, finanziell, organisatorisch. Die Refinanzierung läuft über dieselben Kostenträger, die gleichen gesetzlichen Regelungen gelten für uns alle.
Und trotzdem stehen wir als Caritas, wie auch die Diakonie, anders im Fokus, weil wir Teil von Kirche sind. Das heißt, wir haben zusätzlich zu den allgemeinen Erwartungen auch kirchliche Ansprüche zu erfüllen: was unser Menschenbild betrifft, unsere ethischen Grundlagen und unsere Glaubwürdigkeit. Da schaut man bei uns schon noch einmal genauer hin.
Gleichzeitig gibt es auch Anforderungen seitens der Bistümer. Wir sind als Caritas der Wohlfahrtsverband der Kirche – im katholischen Bereich also der Verband des jeweiligen Bischofs – und fühlen uns dem gegenüber verpflichtet. Das macht unsere Arbeit komplexer, weil wir zivilgesellschaftlich, politisch und kirchlich gleichzeitig agieren.
Insgesamt stehen wir im Wohlfahrtsbereich unter großem Druck – politisch, finanziell, wirtschaftlich. Die Kosten steigen überall, während öffentliche Mittel zurückgehen. Dazu kommt eine polarisierte Gesellschaft, in der es immer schwieriger wird, unser christliches Menschenbild und die Anwaltschaft der Caritas für Menschen am Rande der Gesellschaft bei knapper werdenden Ressourcen trotzdem zu vermitteln. Wir versuchen, Zivilgesellschaft gemeinsam zu gestalten und das Wohl aller Menschen im Blick behalten.
Deshalb suchen wir heute stärker als früher neue Allianzen. Innerhalb der Caritas vernetzen wir uns intensiver, aber auch darüber hinaus – etwa auf Ebene der fünf Diözesanverbände in Nordrhein-Westfalen oder mit anderen Playern in der Zivilgesellschaft: Gewerkschaften, Initiativen, Organisationen. Wir können nicht mehr im eigenen Saft schmoren, sondern müssen schauen: Wer hat ähnliche Interessen wie wir und teilt unsere Werte? Mit wem können wir uns zusammentun, um gemeinsam gesellschaftlich und politisch wirksam zu werden? Aber auch: Wer geht unser Werteverständnis mit?
2. Legitimation und Glaubwürdigkeit: Ralf Kleinfeld betont, dass Verbände heute ihre gesellschaftliche Verantwortung sichtbarer machen müssen. Wie kann die Caritas in Zeiten schwindender Kirchenbindung neue Glaubwürdigkeit und Legitimation gewinnen?
Ralf Nolte: Caritas ist der gelebte diakonische Auftrag der katholischen Kirche. Die schwindende Kirchenbindung hat komplexe Ursachen. Durch uns als Caritas werden christliche Grundwerte im Tun und Handeln durch unsere Mitarbeitenden in den Diensten und Einrichtungen vor Ort täglich ganz pragmatisch sichtbar, spür- und erlebbar.
Durch dieses tägliche Tun sind wir nah dran, haben über Jahrzehnte Vertrauen aufgebaut. Studien zeigen, dass Caritas und Diakonie zu den glaubwürdigsten Akteuren in der Gesellschaft gehören. Viele Menschen sagen sogar: „Ich bin noch in der Kirche, weil es die Caritas gibt.“
Wir als Caritas nehmen unseren Leitspruch „Not sehen und handeln“ ernst und übernehmen gesellschaftliche Verantwortung. Wir zeigen, dass wir unseren ethischen Anspruch ernst nehmen und für unsere Werte stehen.
Für unsere Gliederungen und damit für die Menschen, denen wir helfen, treten wir dabei in der spitzenverbandlichen Vertretung mit einer starken sozialpolitischen Stimme auf. Wir vermitteln politischen Akteurinnen und Akteuren in Gesprächen aber auch basisnah und mit Besuchen vor Ort in den Quartieren und Sozialräumen, wo der Schuh drückt und platzieren unsere Forderungen so nachhaltig.
Natürlich erzeugt das in der heutigen Zeit auch Reaktionen. Wir bekommen Zuspruch, aber eben auch Kritik – teils sehr heftig. Wenn wir uns öffentlich für Menschen am Rande der Gesellschaft positionieren, kommen Kommentare oft mit rechtspopulistischer Motivation. Unsere Aufgabe als Spitzenverband ist aber genau das: Haltung zeigen und Anwaltschaft ernstnehmen. Kritik können wir ertragen, konstruktives Feedback nehmen wir gerne auch an und doch hat Caritas einen klaren Handlungsauftrag.
Unser Auftrag ist es, Menschen vom Rand der Gesellschaft in die Mitte zurückzuholen, für Verständigung zu sorgen, für gesellschaftlichen Zusammenhalt einzutreten. Wir wollen, dass Menschen im Dialog bleiben, dass niemand an den Rand gedrängt wird.
Dafür übernehmen wir auch dort Verantwortung, wo es keine Refinanzierung gibt. Wir leisten Dienste, die sonst keiner mehr anbietet, fördern Projekte zur Demokratiesicherung, zur Nachhaltigkeit oder zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts. Diese konkrete Arbeit am Menschen, das glaubwürdige Handeln – das ist unser größtes Kapital.
3. Digitalisierung und Öffentlichkeit: Soziale Medien beschleunigen Debatten und verändern Öffentlichkeit. Wie gelingt es der Caritas, christliche Sozialethik in diesem digitalen Diskursraum wirksam zu platzieren?
Ralf Nolte: Wir nutzen die Möglichkeiten der Digitalisierung aktiv – sowohl in unserer Öffentlichkeitsarbeit als auch in unseren Dienstleistungen. In den sozialen Medien sind wir heute deutlich präsenter. Wir erzählen dort, was wir tun, und machen unsere Themen sichtbar.
Ein Beispiel ist die Kampagne „Luftholchallenge“, die wir im Erzbistum Paderborn gestartet haben, um die Kurberatung bekannter zu machen und mehr Menschen den Zugang zu einem Kurangebot zu ermöglichen. Mit bunten Luftballons und einer klaren Botschaft – „Menschen brauchen Luft zum Atmen“ – haben wir eine große Reichweite erzielt. Selbst Ministerpräsident Wüst und seine Frau haben sich beteiligt. Solche kreativen Social-Media-Aktionen helfen uns, neue Zielgruppen zu erreichen.
Digitalisierung betrifft aber auch unsere Arbeit nach innen. Die Onlineberatung wächst, natürlich unter strengen Datenschutzauflagen. Wir bauen E-Learning-Angebote aus, um Mitarbeitende zu qualifizieren und das Selbstverständnis als kirchlicher Wohlfahrtsverband zu stärken. Und wir nutzen digitale Konferenzen, um Abstimmungen schneller und nachhaltiger zu gestalten.
Auch die internen Prozesse in den Diensten und Einrichtungen werden digitalisiert – von der Antragstellung bis zur Pflegedokumentation, die heute vielerorts mobil läuft, teilweise schon mit KI-Unterstützung. Das alles ist Teil eines großen Transformationsprozesses, in dem wir uns gerade befinden.
Und: Die Öffentlichkeit reagiert heute schneller. Wir müssen also auch schneller sprachfähig sein, wenn politische Diskurse auflodern. Lange Abstimmungsschleifen funktionieren in dieser Medienlandschaft nicht mehr. Wir brauchen klare Positionen – und die Fähigkeit, sie zeitnah zu kommunizieren.
4. Interessenvertretung und Wertbindung: Wirtschafts- und Berufsverbände vertreten Interessen – die Caritas Werte. Wie lässt sich diese Werteorientierung mit den politischen Spielregeln und administrativen Zwängen der Interessenvertretung vereinbaren?
Ralf Nolte: Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, dass die Caritas als gemeinnützige Organisation nicht gewinnorientiert arbeitet. Unsere Interessenvertretung ist also nicht getrieben von Anforderungen wie Gewinnmaximierung oder anderen ökonomischen Interessen.
Unsere Werte spielen deshalb eine ganz tragende Rolle. Wir wollen zum Beispiel mit Blick auf Menschenwürde eine gute Pflege in unseren Altenhilfeeinrichtungen leisten und unseren Mitarbeitenden einen fairen und auskömmlichen Tariflohn zahlen. Dafür muss die Pflegefinanzierung dann aber auch so auskömmlich sein, dass wir nicht nur „satt und sauber“ refinanziert bekommen, sondern Alteneinrichtungen auch als Zuhause mit sozialer Struktur verstanden werden.
Unser Werteverständnis muss deshalb in politische Sprache übersetzt werden. Dafür haben wir unsere Interessenvertretung kanalisiert und werden ein gemeinsames Büro aller Diözesan-Caritasverbände in NRW einrichten, welches unsere Anliegen bündelt und als direkter Ansprechpartner für Landesregierung und Ministerien fungiert. Über diesen Weg platzieren wir Positionspapiere, geben Expertise zu laufenden Gesetzgebungsverfahren und Haushaltsentwürfen und leisten wertvolle Netzwerkarbeit für unsere Gliederungen. Auf Bundesebene gibt es ein ähnliches Modell: Der Deutsche Caritasverband hat neben seiner Zentrale in Freiburg schon seit einiger Zeit ein Büro in Berlin, um näher an den politischen Prozessen zu sein. Und intern bedeutet das: Wir müssen unsere Interessen bündeln, Zuständigkeiten klar haben, schnell reagieren können – um mit einer Stimme zu sprechen.
5. Zukunft des Verbandsmodells Kirche: Kirchliche Verbände waren einst tragende Säulen gesellschaftlicher Ordnung. Wie muss sich die Caritas strukturell und strategisch neu aufstellen, um auch künftig zwischen Kirche, Staat und Zivilgesellschaft wirksam zu bleiben?
Ralf Nolte: Caritas heißt: Not sehen und handeln – das war früher so und gilt auch heute. Früher unterlagen sowohl Staat als auch Zivilgesellschaft einer stärkeren christlichen und kirchlichen Prägung, heute gilt es für die Caritas selbst für sich in Staat und Zivilgesellschaft sichtbar zu werden, ohne dabei unsere christlichen Wurzeln aus dem Blick zu verlieren.
Es geht um den Dienst am Menschen, darum, Not zu lindern, Teilhabe zu ermöglichen und Solidarität zu leben. Die Form, in der das geschieht, verändert sich ständig.
Die Caritas hat sich über Jahrzehnte professionalisiert. Aus früher konfessionell begleiteten Einrichtungen und Diensten sind viele gemeinnützige Einrichtungen unter dem Dach der Caritas gewachsen. Satzungs- und Organisationsreformen und Strukturprozesse als begleitende Instrumente helfen, Entscheidungswege zu optimieren und Handlungsfähigkeit sicherzustellen und auskömmlich arbeiten zu können, in Zeiten knapper Mittel und steigender Kosten und Anforderungen ein Balanceakt.
Als kirchlicher Wohlfahrtsverband sind wir noch in Lage Dienste leisten, die keine staatliche Förderung erhalten, wie eine starke Sozialberatung oder auch die Seelsorge für unsere Bewohner*innen und Klienten. Im Erzbistum Paderborn fördern wir aus einem Fonds, der aus Kirchensteuern refinanziert wird, ein Projekt zur Demokratieförderung und unterstützen verstärkt Akzente zur Nachhaltigkeit innerhalb der Caritas.
Organisatorisch verändern wir uns stark. Die Caritas wird agiler, vernetzter. In Nordrhein-Westfalen haben wir ein großes Kooperationsprojekt: Jeder Diözesanverband übernimmt bestimmte Fachthemen und vertritt sie für alle. Dadurch entsteht mehr Fachexpertise, tiefere inhaltliche Arbeit und eine stärkere gemeinsame Stimme nach außen.
Wenn z.B. das Thema Migration die politische und öffentliche Debatte stark dominiert, ist unsere Fachexpertin in NRW unsere Kollegin Steffi Below zuständig für das Thema. Sie artikuliert die Positionen der Caritas in der Öffentlichkeit und steht für Presseanfragen und auch Ansprechpartner aus der Politik zur Verfügung.
Auch intern wandelt sich viel: Es gibt heute mehr Tandems und Teams in Leitungsfunktionen, flachere Hierarchien, Fokusgruppen zu Querschnittsthemen wie Nachhaltigkeit oder Digitalisierung. Mitarbeitende entscheiden autonomer, agieren selbstständiger. Das steigert unsere Reaktionsfähigkeit als Organisation.
In fünf bis zehn Jahren wird die Caritas sich organisational deutlich verändert haben – flexibler, agiler, stärker vernetzt. Der Auftrag der Caritas bleibt aber der gleich: „Not sehen und handeln.“ Und genau das ist es, was uns auch in Zukunft tragen wird – als Akteur zwischen Kirche, Staat und Zivilgesellschaft.
Die Fragen stellte Almut Müskens, Studienkoordinatorin Nonprofit-Management & Governance

Zur Person
Ralf Nolte ist Diözesan-Caritasdirektor im Erzbistum Paderborn. Neben Beruf und Familie studiert Ralf berufsbegleitend den Masterstudiengang Nonprofit-Management & Governance.
ralf.nolte@caritas-paderborn.de
https://wir-erzbistum-paderborn.de/ansprechperson/ralf-nolte/
https://www.linkedin.com/in/ralf-nolte-1b60b023b/
Unsere Weiterbildungen

Public Affairs Management - Lobbying von Zivilgesellschaft und Nonprofit-Organisationen
Lobbying ist eine der wirksamsten Formen, um die Mission einer Nonprofit-Organisation politisch zu implementieren. Trotzdem betreiben nur wenige Organisationen Lobbyarbeit und wenige wissen, wie Lobbying eigentlich funktioniert. Ob Interessenvertretung, Methoden und Instrumente des Lobbying sowie dessen ethische Implikationen: erarbeiten Sie für Ihre Organisation praxisnah Strategien für die Außenwirkung.
Das Seminar ist konzipiert als Mischung von theoretischer Fundierung von Public Affairs Management und Lobbying und praxisbezogenen Lernens anhand von Fallstudien, Austausch mit Experten und Beispielen aus dem Alltag.
Freie Plätze
1
Termine und Fristen
22.02.-24.02.2026 (Teil 1 in Berlin)
27.06.-28.06.2026 (Teil 2 in Münster)
(insgesamt 5 Seminartage)
Teilnahmeentgelt
1.450 €
(Umsatzsteuerbefreit gemäß § 4 Nr.21 a (bb) UStG)
> steuerl. absetzbar bis zu 42%
- Wie betreiben NPOs erfolgreich Lobbying?
- Wie erzeugen NPOs Aufmerksamkeit für ihre Themen?
- Wie erreichen NPOs die für ihre Themen wichtigen Zielgruppen in Politik und Gesellschaft?
- Positionierung und Framing eines Themas/Anliegens
- Identifikation und Ansprache der themenspezifisch relevanten Zielgruppen
- Vernetzung: Aufbau und Pflege von Kontakten, Bündelung von Interessen
- Kampagnenführung: traditionell, digital und mit Hilfe der Gerichte
Das Seminar ist ein Angebot für alle, die die Interessenvertretung der eigenen Organisation und der Zivilgesellschaft in Politik, Öffentlichkeit und Medien erhöhen und ihre Arbeit professionalisieren möchten.
Prof. Dr. Thomas von Winter
Dozent Nonprofit-Management
Prof. Dr. Christian Lahusen
Dozent Nonprofit-Management
Prof. Dr. Annette Zimmer
Wissenschaftliche Leitung & Dozentin Nonprofit-Management and Governance
martas/Berliner Stadtmission – Berlin Mitte &
Universität Münster Professional School gGmbH, Königsstraße 47, 48143 Münster
Das Seminar ist ein separat buchbares Modul im berufsbegleitenden Masterstudiengang Nonprofit-Management and Governance.
Stiftungsmanagement
Die Stiftung ist mehr als ein Finanzierungspartner. Sie ist eine Gestaltungsoption mit eigener Handlungslogik und eigenen Charakteristika und wird in Eigentümer-, operativer, Förder- oder mildtätiger Funktion auf allen Gebieten gemeinnützigen Handelns tätig.
In dem Seminar Stiftungsmanagement erfahren Sie praxisnah und wissenschaftlich fundiert, wie Stiftungen optimal arbeiten können und wie mit Stiftungen optimal zusammenzuarbeiten ist. Auf die Besonderheiten großer, mittlerer und kleiner Stiftungen wird gleichermaßen eingegangen.
Freie Plätze
11
Termine und Fristen
17.04.-21.04.2026
(5 Seminartage)
Teilnahmeentgelt
1.450 €
(Umsatzsteuerbefreit gemäß § 4 Nr.21 a (bb) UStG)
> steuerl. absetzbar bis zu 42%

- Juristische Grundlagen, Gründung von Stiftungen
- Stiftungstypen, Stiftungsfunktionen, Stiftungsziele
- Förderstrategien
- Stakeholder relationship
- Stiftungsadministration und Vermögensverwaltung
- Berichterstattung, bench marking
- Stiftungskommunikation
- Trends im Stiftungswesen
Sie kennen,
- Möglichkeiten und Bandbreite der Gestaltungsoption Stiftung
- Möglichkeiten der Stiftung als Projektpartner
- Kritisches Hinterfragen von Vorverständnissen und Selbstdarstellungen
- Vermittlung von Handlungsanleitungen für konkrete Fragestellungen des Managements
Das Seminar ist ein Angebot für alle, die ihre Arbeit in Stiftungen professionalisieren möchten und alle, die erfolgreich mit Stiftungen zusammenarbeiten möchten.
Dr. Rupert Graf Strachwitz
Dozent Nonprofit-Management
Universität Münster Professional School gGmbH, Königsstraße 47, 48143 Münster
Das Seminar Stiftungsmanagement ist ein separat buchbares Modul im berufsbegleitenden Masterstudiengang Nonprofit-Management and Governance.

Nonprofit-Management and Governance M.A.
Ihre Organisation zukunftsfähig aufstellen und verändern? Der berufsbegleitende Masterstudiengang Nonprofit-Management & Governance bietet das passende Wissen und die passenden Tools. Im Studium erwarten Sie spannende Themen wie Personalmanagement, Fundraising, Lobbying, politische Kommunikation, Marketing & Nonprofit-Recht. Studieren Sie berufsbegleitend in 4-6 Semestern.
Zielgruppe
Mitarbeiter:innen in NPOs, Vorstände, Geschäftsführer:innen sowie weitere ehrenamtlich Engagierte
Fakten
7 Module4-6 Semesterberufsbegleitend
Bei Fragen helfen wir gerne weiter

Almut Müskens
Beratung
Montag – Freitag von 9.00 bis 16.00 Uhr



